20 Prozent weniger: Chinas Importe brechen ein

Shanghai – Chinas Ein- und Ausfuhren sind im Januar deutlich stärker gesunken als erwartet. Die Importe fielen im Jahresvergleich um fast 20 Prozent und die Exporte um 3,3 Prozent, wie die Zollbehörde am Sonntag mitteilte. Quelle:http://www.blick.ch/news/wirtschaft/20-prozent-weniger-chinas-importe-brechen-ein-id3466818.html

 

Über die China-Geschäfte sprach die Redaktion mit Klaus-Dieter Hanke:

 

Redaktion:

Herr Hanke, sie haben Wohnsitze in zwei Wirtschaft-Metropolen, in Hannover wie auch in Hongkong. Durch ihren Status als Permanent Resident unterliegen Sie nicht der Visapflicht und können jederzeit in Hongkong ein- und ausreisen. Wie bekommt man diese Akkreditierung?

Hanke

Ich muss Sie etwas korrigieren, denn ich habe nur das Wohnrecht in Hong Kong wohne aber derzeit nicht dort.

Man kann nach einem siebenjährigen ununterbrochenen Aufenthalt in Hong Kong seine Permanent Identity Card beantragen wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Wie schon erwähnt sieben Jahre ununterbrochener Aufenthalt
  • Beschäftigungsnachweis
  • Bankkontoauszüge
  • Kopien des letzten Einkommensteuerbescheids
  • Erklärung, dass man Hong Kong als Hauptwohnsitz gewählt hat

Redaktion:

Sie sind als Ländermanager der Globe-Experts ja auch aufgerufen, ihren Geschäftspartnern ökologisch faires Handeln nahezulegen. Wie sind da Ihre Erfahrungen?

Hanke

Was die meisten leider nicht wissen ist die Tatsache, dass das Arbeitsrecht in China Angestellten wie auch Arbeitern weitgehende Rechte einräumt. Arbeitnehmer können deswegen immer weniger Beschäftigte ausbeuten oder mit denen machen was sie wollen.

Ausnahmen bestätigen zwar die Regel aber es bleiben Ausnahmen. Ich möchte dies an einigen Beispielen erläutern. Das Mindestalter für Fabrikarbeiter beträgt 16 Jahre und die Personalabteilungen sind verpflichtet dies zu kontrollieren. Dies geschieht im Eigeninteresse, weil staatliche Behörden Stichproben machen. Bei Nichteinhaltung drohen schwere Strafen. Es ist aber nicht nur so, dass Fabriken bewusst Minderjährige einstellen würden, sondern die Arbeiter versuchen auch selber, diese Altersgrenze zu umgehen indem sie sich den Personalausweis von der älteren Schwester oder dem Bruder „ausborgen“ um damit angenommen zu werden. Wie mir leitende Mitarbeiter der Personalabteilung mitteilten, wird da bei den Banken (alle Angestellten müssen wegen der Lohnzahlung ein Bankkonto haben) nachgefragt. Dort  werden bei der Kontoeröffnung die Angaben überprüft.

Wenn man selber durch die Fabrikhallen geht, erscheinen einem sehr oft die Arbeiterinnen zu jung, um schon 16 Jahre alt zu sein. Aber bei Nachprüfungen hat sich dann immer herausgestellt, dass die Altersgrenze eingehalten wurde. Es gibt aber wie schon erwähnt auch schwarze Schafe unter den Fabriken und die versuchen das Gesetz zu umgehen, indem sie erklären, dass es sich bei den Arbeitern nicht um Festangestellte sondern um Schüler handele die in den Ferien zusätzliches Taschengeld verdienen möchten. Das ist natürlich auch nicht erlaubt und stimmt eigentlich nie.

Das Thema Niedriglohn ist in China derzeit auch immer weniger ein Problem. Die Löhne haben sich in den letzten Jahren überproportional erhöht was zur Folge hat, dass China  bei Niedrigpreisen wie z.B. im Textilsektor oder bei Sportschuhen nicht mehr mithalten kann. Da haben Länder wie Bangladesch oder Vietnam China bereits den Rang abgelaufen. Die herkömmlichen küstennahen Produktionszentren sind zu teuer geworden und es sind deshalb etliche neue gigantische Produktionsstandorte im Westen von China aus dem Boden gestampft worden.

Ich möchte aber noch eine Bemerkung über das faire Handeln machen. Oft führt die Forderung von Großabnehmern nach immer niedrigeren Einkaufspreisen zu einer Situation, bei der die Hersteller mit dem Rücken an der Wand stehen. Wenn jemand zum 20sten Mal beteuert hat, dass er wirklich nicht mehr mit dem Preis runtergehen kann, sollte man die auch berücksichtigen und nicht immer weiter Druck machen. Dann kann es natürlich leicht passieren, dass auf minderwertigere Materialien ausgewichen wird oder sonst irgendwo eingespart wird, und ich frage deshalb: „Wem hat das dann genützt?“

 

Redaktion

Es ist wie im normalen Außendienst-Einsatz hierzulande sicher nötig, persönliche Kontakte aufzubauen und moderne Medien lediglich zur Unterstützung zu nutzen. Wie organisieren Sie die Akquisition und  Kundenbetreuung?  Wie teilen Sie Ihre Arbeitszeit auf? Schildern Sie doch bitte ein konkretes Beispiel.

Hanke

Chinesen legen größten Wert auf persönliche Kontakte, die  auf Messen oder durch Besuche vor Ort etabliert werden. Ich werde häufig von Importeuren angesprochen, die sich durch B2B Online Vermittlungen an Hersteller gewandt haben und sogar bei denen Aufträge platziert haben ohne jedoch jemals mit denen einen persönlichen Kontakt gehabt zu haben.

Das führt dann oft zu Problemen bis hin zu materiellen Verlusten die vermeidbar gewesen wären, wenn man bei einem Besuch festgestellt hätte, dass die schöne riesige Fabrik in Wirklichkeit nur eine kleine Butze ist.

Wir setzen für unsere bestehenden Kontakte Skype oder andere vergleichbare Systeme neben Telefonaten ein. Hierbei rufen wir immer nur direkt das Handy des zuständigen Managers an, weil die Verbindung am schnellsten geht und es dabei egal ist, ob der Manager unterwegs ist.

Bei den Zeitfenstern für Kontakte sind die unterschiedlichen Zeitzonen ein wichtiger Punkt. Asien ist uns je nach Sommer oder Winterzeit 6 oder 7 Stunden voraus, so dass man eigentlich nur vormittags jemand problemlos erreichen kann.

Jeder Fall ist jedoch unterschiedlich und es fällt schwer, ein einzelnes Beispiel herauszugreifen weil es auch jeweils um unterschiedliche Warenbereiche geht.

 

Redaktion

Worauf kommt es an, wenn man mit Gesprächspartnern aus anderen Kulturkreisen spricht? Und was ist dabei besonders in China zu beachten?

Hanke

Hier muss man die Etikette beachten und wissen was man tun sollte oder besser sein lassen sollte. Hier sind wir Deutsche aber auch die Amerikaner besonders gefordert, weil unsere meist etwas forsche Art und Weise direkt auf ein Ziel zuzusteuern in China überhaupt nicht ankommt. In einem meiner Bücher How To Make Business Negotiations in China More Successful gehe ich speziell auf dieses Thema ein und für Geschäftsreisende nach China ist es der Leitfaden zur Verhandlungsführung in China.

Redaktion

China ist ja ein Super-Kontinent mit über 20000 Km die größte Gesamtlänge aller  Landesgrenzen. Han, Zhuang, Hui, Manju, Uiguren und Miao bilden gewissermaßen eine multikulturelle Gesellschaft. Wie organisieren Sie die Kommunikation mit den ethnischen Gruppen und auch den großen geografischen Entfernungen? Haben Sie ein Netzwerk eingerichtet?

Hanke

Die ethnischen Gruppen spielen eigentlich bei der Kommunikation keine Rolle weil all Chinesen mindestens neben evtl. lokalen Dialekten Mandarin und auch Englisch beherrschen.

Ich habe eigentlich selten bei unseren Fabrikbesuchen erlebt, dass kein englischsprechender Mitarbeiter verfügbar war. Zugegeben: Die Unternehmer sprechen nicht immer Englisch, aber es ist eigentlich immer jemand da, der übersetzen kann. Ich sage es einmal ganz deutlich: wenn niemand in einer Firma Englisch sprechen kann, sollte man die Finger davon lassen. Denken Sie mal an die Lösung von Problemen, die leider immer mal wieder auftreten können. Das wäre dann der reinste Alptraum.

Für solche Fälle, bei denen man unbedingt mit einem Entscheidungsträger direkt sprechen muss und der aber leider kein Englisch versteht, können wir unser Netzwerk vor Ort einschalten. Unsere Mitarbeiter dort sprechen alle Englisch, Mandarin und Kantonesisch.

Der Kontakt erfolgt wie schon vorher erwähnt über Skype/Handy und natürlich auch per E-Mail.

Redaktion

Spezialisierung ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Worauf haben Sie sich spezialisiert?

 

Hanke

Wir haben uns auf folgende Geschäftsfelder spezialisiert:

besuchen. Ich bin seit vielen Jahrzehnten mit den Fachbereichen Unterhaltungselektronik und Elektrogeräten bestens vertraut. Da die Systematik bei Import/Export Geschäften ähnlich ist, betreuen wir selbstverständlich auch andere Warenbereiche problemlos.

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